David Harnasch

Es gibt auch noch ein Leben ausserhalb Facebooks. Hier beispielsweise.

1 Anmerkung

Anonym fragte: Was triebt dich dazu im US-Wahlkampf parteizuergreifen, wo du noch nicht einmal dazu aufgerufen bist ein Kreuzchen zu machen?

Auch die Kollegen vom SPIEGEL und dem Neuen Süddeutschland dürfen nicht wählen, leiden aber sichtlich darunter. Praktisch die gesamte deutschsprachige Presse betreibt Wahlkampf - obwohl die Leser ebenfalls nicht wählen dürfen. Die selbstproklamierten "Qualitätsmedien" scheitern täglich an ihrem Anspruch. Wer im Gegensatz zu uns Schmierfinken einen richtigen Beruf hat, ist auf die Informationen der Medien angewiesen - und versteht buchstäblich die Welt nicht mehr, wenn er nicht gezielt nach englischsprachigen Quellen sucht. Erstens will ich also aus aufklärerischen Gründen ein Gegengewicht zu Obamas Jüngern in deutschen Redaktionsbüros darstellen. Zweitens betrifft mich US-Innenpolitik als Europäer kaum, die Außenpolitik hingegen sehr. Obama ist ein Sozialdemokrat. Sozialdemokratische Politik funktionierte in Griechenland, weil Deutschland dafür zahlt und in Deutschland, weil die USA unsere komplette Landesverteidigung finanziert haben. Trotzdem ist nun die Grenze dessen erreicht, was über Schulden bezahlt werden kann und wir haben die Eurokrise. Ich verstehe jeden Amerikaner, der sagt: Ich bin es leid, für die Sicherheit der ganzen Welt zu zahlen, so lange die Highways daheim Schlaglöcher haben und eine Krankenversicherung will ich auch! Nur: Wenn die USA weiterhin den Weg sozialdemokratischer Wohltaten um den Preis einer explodierenden Staatsverschuldung gehen, dann ist ihre globale Vormachtsstellung bald vorbei. Obama steht für genau diesen Rückzug vom internationalen Parkett. Sein Auftritt nach der Ermordung des Botschafters Chris Stevens - völkerrechtlich ist das eine Kriegserklärung - zeigt es in ungewohnter Deutlichkeit. Die Feinde des Freien Westens testen täglich, wie weit sie gehen können und dieser Präsident macht keinerlei Anstalten, ihnen irgendwelche Schranken aufzuzeigen. Ich wünsche mir, dass die größten Gläubiger der USA - Chinas Politbüro - so spät wie möglich die globale Vorherrschaft übernehmen. Und ich habe die leise Hoffnung, dass Romney und vor allem Ryan wenigstens dieser Verzögerung des Niedergangs der USA hilfreich wären. Denn chinesische Werte und Interessen sind von unseren noch viel weiter entfernt, als amerikanische. Auch wenn die Kollegen von SZ und SPON sich große Mühe geben, jedes antiamerikanische Ressentiment zu bedienen und zu vergrößern.

  1. von harnasch gepostet